zurück °°°°°°° Kunst im Waldkindergarten °°°°°°°

Als es für mich darum ging, einen Praktikumsplatz zu finden, erinnerte ich mich an einen Artikel aus einer Zeitschrift, bei dem es um einen Waldkindergarten ging. Damals war ich von der Idee eines Kindergartens ohne Türen und Wände begeistert. Ich stellte mir vor, wie sich die Kinder wohl entfalten könnten, wie sie immer Neues entdeckten und sich ihre Sinne für die Naturerfahrungen öffneten und schärften. Auch stellte ich damals schon Überlegungen zur künstlerischen Erziehung der Kinder in der Natur an, da ich selbst bereits in der Natur künstlerisch gearbeitet hatte und auch meine Zwischenprüfung zum Thema Land Art geschrieben habe. Es erschien mir wichtig, den Kindern die Natur und die Kunst spielerisch näher zu bringen und so eine solide Basis zu vermitteln.
Ich arbeitete mit den Kindern aus dem Waldkindergarten an einem Kunstprojekt, das ganz unter dem Thema ‚Naturkunst‘ stehen sollte. Im Folgenden werden die Konzepte kurz skizziert und dann die Arbeitsergebnisse anhand von Fotos veranschaulicht. Ich will noch anmerken, dass hier nur eine Auswahl der Arbeiten zu sehen ist, im Projekt haben die Kinder und ich noch mehr Kunst in der Natur erarbeitet.

 

Frottage Frottage im Wald - Konzept
Im Wald wollen wir uns auf die natürlichen Strukturen konzentrieren, die gestalterischen Arbeitswerkzeuge bestehen aus natürlichen Elementen, wie Blätter, Erde usw. Die Kinder sollen Blätter u.ä. sammeln und auf dem Blatt Papier verreiben, eventuell vorher noch zerreißen, damit die Farbe intensiver wird. Vorher sollen sie die Bäume der Umgebung abtasten und die Unterschiede in den Stämmen benennen. Dann kommt es zur Frottage der Baumstämme durch Naturmaterialien. Als weiterführende Aufgabe kann man den Kindern dann folgendes vorstellen: sie sollen mit Hilfe des Durchzeichnens geheimnisvolle Schriftzeichen finden und diese dann zu einer Geschichte, die bisher ganz allein der Wald kannte, zusammenfügen.

 

 

 

wiesengalerieWiesengalerie - Konzept
Die Kinder bekommen die Aufgabe, sich die Gegend genauer anzusehen. Sie sollen auf die kleinen Dinge achten und darin die Schönheit erkennen. Dabei soll das Einlassen auf die Umgebung geübt und angestrebt werden, sowie die Auseinandersetzung mit dem vorhandenen Material.
Für die Aufgabe halte ich Passepartouts bereit, die Kinder können aus verschiedenen Größen wählen. Die Kinder sollen die Gegend erkunden und nach besonderem Material Ausschau halten. Bei dieser Aufgabe soll die Natur als Künstlerin wahrgenommen und dabei auf natürliche Arrangements geachtet werden, welche zur Kunst erklärt werden können. Sobald die Kinder etwas entdeckt haben, was ihnen gefällt, legen sie die Rahmen darüber und ich werde dies zusätzlich noch einmal fotografieren. Die Kinder können natürlich auch den Rahmen in die Luft halten, falls ihnen ein Baum o.ä. gefällt. Als Alternative zu den weißen Passepartouts würden sich auch Äste und Zweige eignen, die man zu einem natürlichen Rahmen legt.

 

tattooNatur-Tattoos - Konzept
In dieser Einheit geht es um die Farben der Natur und die Gestaltung ebendieser, damit eine große Wirkung erzielt wird.
Die „Natur-Tattoos“ entstehen wie folgt: die Kinder bekommen von mir Vaseline, die sie sich auf den Handrücken schmieren können. Dann begutachten sie ihre Umgebung und suchen nach kleineren Pflanzen, Blüten oder Gräsern, die sie sich dann auf ihren Handrücken kleben können. Der Gestaltung sind dabei keine Grenzen gesetzt, wenn ihnen etwas nicht mehr gefällt, zupfen sie es einfach wieder weg und kleben sich etwas Neues auf die Haut.

 

mandalaWaldmandala - Konzept
In dieser Übung soll auf einfache Weise ein abstraktes detailLand Art Werk entstehen. Mandalas sind meist kreisförmige Gebilde, die sich durch wiederkehrende Formen und Muster auszeichnen. Diese Symmetrie hilft dem Betrachter, sich auf die geistige Abbildung, die es darstellen soll, zu konzentrieren. Darüber hinaus, hat ein Mandala immer einen festen Mittelpunkt, aus dem heraus das Bild nach außen hin wächst. Das kreisförmige Mandala ist als Darstellung der Welt zu verstehen, die sich um einen Mittelpunkt, die Weltachse, bewegt. Der Kreis ist das Symbol für den ewigen Kreislauf des Lebens, die ständige Wiederkehr. Das Mandala ist mit den Lehren des Buddhismus wohl am engsten verknüpft. Es symbolisiert den Übergang von einer Stufe zur nächsten, vom Materiellen zum Spirituellen, dabei setzt die Art des Legens, von innen nach außen, neue Energien und Kräfte frei.
Zu Beginn sollte man die Kinder über die Bedeutung der Mandalas aufklären, dann werden gemeinsam die Vorbereitungen getroffen, um ein großes Mandala auf dem Waldboden zu legen. Der Untergrund sollte eben und vegetationsfrei sein. Eine ungefähre Begrenzung des Legebildes wird durch vereinzelte Äste erzielt. Das Mandala soll in der Gruppe gemeinsam erarbeitet werden, dabei wird von innen nach außen gearbeitet.

 

Waldteppich weben - Konzept
Der Plan dieser Stunde sieht vor, dass die Kinder in einen Webrahmen natürliche Materialien wie Blätter und Äste hineinweben, dieser dann als Geschenk an den Wald im Wald bleibt und die Kinder ein paar Tage später nachschauen, ob der Rahmen noch vorhanden ist und wenn ja, inwieweit er sich verändert hat.
Der Webrahmen besteht aus einem etwas längeren Ast, an dem etwa 20 Wollfäden von 50-75 cm Länge hängen. Der Ast bildet in waagerechter Lage den untersten Abschluss. Die oberen Enden der Wollfäden werden an einen annähernd waagerechten Ast eines Baumes geknotet. Sobald der Webrahmen aufgehängt ist, können die Kinder die Umgebung nach geeignetem Material absuchen, welches sie dann eigenhändig in den Rahmen weben. Da der Waldteppich als Geschenk an den Wald hängen bleibt, kann ein Prozess beobachtet werden, der durch natürliche Einflüsse wie Zeit und Wetter variabel wird. Es stellt sich die Frage, wie lange der Rahmen dort hängen bleibt und im welchen Maße sich dieser verändert. Da der Waldplatz womöglich öfters angesteuert wird, können die Kinder auch über das Projekt hinaus vorbeischauen und die natürliche Veränderung, den Lauf der Zeit wahrnehmen.

 

 

Wer mehr wissen möchte, dem empfehle ich das Buch: Güthler, A./ Lacher, K.: „Naturwerkstatt Landart. Ideen für kleine und große Naturkünstler“. AT Verlag, Baden und München, 4. Auflage, 2007