Mein Bestreben hinsichtlich dieser Arbeit war zu Beginn, dass ich die Waffe, mit der ich immerzu hantierte, wärmer machen, sie nicht mehr so aalglatt und kalt erscheinen lassen wollte. Ich überlegte, wie ich sie femininer gestalten könnte, ohne ihr dabei eine geistlose Wirkung durch stereotype Muster aufzudrängen. Ich versuchte ihr eher eine Hülle zu geben. Ich nähte aus alten Stoffresten Originalgroße 9mm Waffen. Da ich sie anfangs nicht befüllt hatte, waren sie platt, nur an den Nahtstellen wölbten sie sich ein wenig ins dreidimensionale.

Alte Strick-Kleidung von mir trennte ich auf, ich wollte nicht nur durch die Technik Teil meiner Arbeit sein, sondern der Stoff sollte auch von mir zeugen. Nun hatte ich also keine glatten, harten und männlichen Waffen mehr, denn durch die Einbringung von Textilien wurden sie weich und warm, sie bekamen eine geschlechtliche Markierung. Hinzu kommt, dass die gestrickte Form eine Eigenheit darstellt. Mit ihren Wölbungen und Verdichtungen im Strickgeflecht grenzt sie ans Absurde. Sie sind nicht allzu akkurat gearbeitet, da die Stricknadeln von einem Durchmesser sind, der eher gröbere Maschen hervorruft. Das Material lässt sich formen, man kann es in die Länge ziehen oder auch zusammen knautschen. Nimmt man den Griff fest in die Hand, dann hängt der Lauf schlaff nach unten. Der haptische Reiz lässt die Hand des Betrachters zum Objekt schnellen, jedoch schrickt er womöglich zurück, weil er sich der Bedeutung dessen bewusst wird.

Objektiv betrachtet stellt sich jedoch heraus, dass die Strickwaffen als einzelnes Objekt ihre Ähnlichkeit zur Waffe fast einbüßen müssen. Erst in ihrer großen Anzahl und in der Anordnung in der Präsentation wird ihr ornamentaler Charakter deutlich. Als Wandobjekt oder auf Sockeln präsentiert, reihen sich die Strickwaffen in ein Muster ein, dass auf Wiederholung bedacht ist. Die narrative Funktion tritt dabei in den Hintergrund. Das gegenständliche Ornament bestimmt den Verlauf im Gesamtbild.